Polizeikontrolle eines Cannabispatienten im FDP Wahlkampf

Der Höhepunkt einer tristen Wahlkampfveranstaltung der FDP mit Guido Westerwelle heute war vermutlich diese Personenkontrolle eines Cannabispatienten… Recht unspektakulär, und trotzdem das spannendste, was es heute auf dem Marktplatz in Hamm zu sehen gab 🙂 Man kann sich nicht immer aussuchen, wann und wo man als Patient seine Medizin einnimmt und wenn der Bundesaußenminister mal zu Besuch in der Stadt ist, möchte man es sich als politikinteressierter Mensch nicht nehmen lassen, diese Veranstaltung zu besuchen!

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Diagnose Epilepsie: Gericht verurteilt Studenten wegen Eigenanbau von Cannabis zu 1800€ Geldstrafe

Heute erreichte mich das Urteil eines Patienten aus Berlin, der am 29.04.2013 zu 120 Tagessätzen á 15 € verurteilt wurde, da er seine Medizin zuhause selber angebaut hat. Am 10. Dezember 2010 wurden bei einer Hausdurchsuchung in seiner Wohnung Pflanzen mit einem Gesamtwirkstoffgehalt von 12,99 g THC sichergestelt. Die Krönung des Ganzen ist, dass die Staatsanwaltschaft gegen dieses Urteil bereits Berufung eingelegt hat, da sie es als zu mild empfindet!

Der 26-jährige Student leidet seit seinem neunten Lebensjahr an Epilepsie und war in diesem Verfahren der Meinung, dass er sich im rechtfertigenden Notstand befinde, da er im Verlauf der Erkrankung schon einige Medikamente ausprobiert habe, diese aber alle erheblichen Nebenwirkungen hätten. Nach einem Gutachten und einem Gegengutachten war das Gericht zwar der Auffassung, dass dieser Patient den Cannabis ausschließlich zu therapeutischen Zwecken angebaut habe, es teile allerdings nicht seine Meinung, dass ein rechtfertigender Notstand vorläge, da der 26-jährige noch nicht alle für seine Erkrankung in Frage kommenden Medikamente getestet hätte. Außerdem konnte er nicht nachweisen, dass er sich schon die Mühe gemacht hat, eine Ausnahmegenehmigung bei der Bundesopiumstelle zu beantragen, was er damit begründete, dass die Hürden dafür zu hoch sind und er keine Kraft für den Aufwand hat.

Ich habe diesen Patienten beim Expertengespräch im Bundeskanzleramt als einen mehr als netten und hilfsbereiten Menschen kennengelernt, aber man merkte ihm auch deutlich an, wie sehr ihm seine Erkrankung zu schaffen macht. Es war interessant zu sehen, wie der Konsum von Cannabis ihn positiv beenflusst hat, bei mir ist es für einen Außenstehenden nicht so einfach zu erkennen… Aber KRIMINELL ist er mit Sicherheit nicht!!!

Ich wünsche ihm weiterhin das Allerbeste und freue mich riesig, dass er den weiten Weg in Kauf nimmt und am Donnerstag von Berlin aus zur Kundgebung von ACM und SCM nach Bonn kommt! Mittlerweile hat dieser Patient einen Arzt gefunden, der ihn bei seiner Ausnahmegenehmigung unterstützt! Dafür musste er allerdings auch knapp 500 km weit fahren… Jetzt ist er bei Dr. Franjo Grotenhermen in Behandlung und das Antragsverfahren steht kurz bevor!

ein weiterer Patient sucht Korrespondenz mit Politiker

Heute war ich bei einem guten Freund, der – wie ich – eine Ausnahmegenehmigung für eine Selbsttherapie mit Cannabisblüten besitzt und jetzt ebenfalls über den SPD-Bundestagsabgeordneten aus seinem Wahlkreis eine Kostenübernahme der Krankenkasse bewirken möchte. In einem ersten Telefonat mit seinem Abgeordneten hat Dieser Ihn gebeten, seine Situation kurz in einem Brief zusammenzufassen, um sich etwas besser auf ein persönliches Gespräch vorbereiten zu können. Ein Gespräch kann jedoch frühestens im Juli erfolgen, weil der Abgeordnete – der dem Thema erstmal relativ offen gegenüberstand – vorher nicht aus Berlin zurück in seinem Wahlkreis ist! Hier gibts jetzt schonmal den Brief des Patienten an den Bundestagsabgeordneten:

Sehr geehrter Herr XXX,

wie bereits am 03.06.2013 telefonisch mit Ihnen besprochen, übersende ich Ihnen kurz die wichtigsten Informationen zu meiner derzeitigen Situation.

Ich bin Vater von 5 Kindern und leide seit 15 Jahren an Morbus Crohn, chron. Gastritis und einer Refluxoesophagitis und seit dem Jahr 2010 zusätzlich an einem cervikalen Bandscheibenschaden mit Radikulopathie. In dieser Zeit musste ich zweimal operiert werden und es wurden eine Vielzahl an Medikamenten ausprobiert, u. a. Tramal, Prednison, Mesalazin, Sulfasalazin, Azathioprin, sowie Methoclopramid. All diese Behandlungsversuche blieben ohne den gewünschten Erfolg und hatten teilweise starke gastrointestinale Nebenwirkungen, sodass ich von Dr. XXX zum ersten Mal Dronabinol verordnet bekommen habe. Über Diesen bin ich auch in Kontakt zum Selbsthilfenetzwerk-Cannabis-Medizin gekommen. Da das Dronabinol nur unzureichend half, wurde mir von anderen Patienten empfohlen, einmal Cannbisblüten auszuprobieren. Die Wirkung war überraschender Weise durchweg positiv und ohne die bisher bekannten Nebenwirkungen und so habe ich gemeinsam mit meinem Arzt einen Antrag zur Selbsttherapie mit Cannabisblüten aus der Apotheke bei der Bundesopiumstelle gestellt, der dann auch am 31.10.2012 genehmigt wurde.

Eine Anfrage bei meiner Krankenkasse hat ergeben, dass Diese die Cannabisblüten aus der Apotheke nicht abrechnen kann, da dieses Medikament nicht verschreibungsfähig sei. Die Kosten für meine Therapie belaufen sich auf gut 2000 € im Monat, was bei einem Netto-Gehalt von 1300 € im Monat mit 5 Kindern nicht aufzubringen ist, daher bitte ich Sie als SPD-Bundestagsabgeordneten in meinem Wahlkreis um Hilfe.

Im Anhang sende ich Ihnen den Fall eines anderen Patienten, der eine Kostenübernahme seiner Cannabisblüten durch die Krankenkasse bewilligt bekommen hat, den ich bereits Ihrer Sekretärin telefonisch geschildert habe.

Mit freundlichen Grüßen

Wenn es in diesem Fall Neuigkeiten gibt, werde ich selbstverständlich hier davon berichten!

Über mich

Ich habe eine Ausnahmegenehmigung von der Bundesopiumstelle für eine Selbsttherapie mit Cannabisblüten aus der Apotheke und seitdem ich mobo von kein Wietpas! (http://www.keinwietpas.de) kennengelernt habe, lässt er mir keine Ruhe mehr, dass ich ein Blog erstellen soll, da es bisher noch keinen Cannabispatienten gibt, der regelmäßig seine Erfahrungen vom täglichen Umgang mit dieser Heilpflanze bloggt. Heute konnte ich mich dann endlich dazu durchringen, dieses Projekt in die Tat umzusetzen, einfach um für mich einen kleinen Überblick zu haben, weil immer wieder unerwartete, spannende und interessante Dinge passieren (sowohl Positive als auch Negative) und vielleicht mag ja der Ein- oder Andere von Euch mitlesen!