Gastbeitrag: Domian und medizinisches Cannabis

Zum wiederholten Male taucht er jetzt schon in diesem Blog auf und dafür bin ich Ihm natürlich sehr dankbar! Heute berichtet mobo von „Kein Wietpas!“ über Domian und wie er zum Thema „Cannabis in der Medizin“ steht.

Ich bin nicht nur Betreiber von „Kein Wietpas!“ und selbst Cannabiskonsument aus medizinischen Gründen, sondern ich bin auch noch ein riesiger Fan der 1Live Radiotalksendung „Domian“. Jürgen Domian (55) ist wohl der beste Ratgeber, den man sich in so ziemlich jeder Lebenslage vorstellen kann. Durch seine langjährige Radiosendung und wegen vieler Fernsehauftritte ist der bekennende Bi-sexuelle Träger des Bundesverdienstkreuzes eine moralische Instanz in Deutschland. Oder gar DIE moralische Instanz. Tausende von Menschen haben sich bereits in aller Öffentlichkeit einen Ratschlag für die verschiedensten Nöte geholt.

Domian hat in vielen Bereichen des Lebens eine sehr liberale Einstellung, die dafür sorgt, dass es häufiger vorkommt, dass man von den abstrusesten sexuellen Neigungen zuerst bei Domian gehört hat. Nur in Punkto Rauschmittel gibt sich das SPD-Mitglied oft stock konservativ. Wenn ein Anrufer irgendwo beiläufig Drogenkonsum erwähnt, wird der Moderator oft hellhörig und gibt dem Konsum die Schuld an dem jeweiligen Problem.

Auch Cannabiskonsum hat er stets kritisiert und rasselte dabei in der Regel die typischen Argumente der Prohibitionisten herunter. Natürlich hat er dabei immer im Hinterkopf, dass er eine gewisse Vorbildfunktion hat und möchte so auch verhindern, dass ihm eine Anstiftung zum Drogenkonsum vorgeworfen werden kann.

In all den Jahren, in denen ich jetzt Domian schon höre ist mir nie ein Statement zur medizinischen Verwendung von Cannabis aufgefallen, dabei ist er beinahe täglich mit Menschen konfrontiert, die zumindest mal Cannabis als Alternativmedizin für ihre Krankheit testen könnten. Doch jetzt hat er meines Wissens nach erstmalig in einer Sendung vom medizinischen Nutzen von Cannabis gesprochen und wollte entgegen seiner Gewohnheit dem Anrufer nicht sofort den Konsum ausreden. Regelmäßige Domian-Hörer dürften die Aussage auf jeden Fall bemerkenswert finden. Auch ist sie ein gutes Indiz, dass sich das Wissen um die Heilwirkung von Cannabis immer weiter verbreitet. Schön, dass es einen neuen Mitstreiter gibt!

Die Folge, um die es geht, könnt Ihr Euch hier anhören. Den Anrufer, um den es geht, hört man ab 45.50min. und die explizite Stelle beginnt ab 51.45min.

Reisebericht Enschede – freundliche Lüftungsaktion des Zolls

Gestern waren wir zu viert in Enschede. Ich hatte mobo von Kein Wietpas! und zwei weitere Freunde im Gepäck. Dazu hat mobo einen Reisebericht geschrieben, den ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Neben dem obligatorischen Getränkedoseneinkauf und dem Marktbesuch mit Kibbelingkonsum haben wir die in Enschede seit eh und je praktizierte sprichwörtliche Gastfreundschaft und Toleranz genossen…

Zuerst waren wir im “Cafe Mix”, der wohl einladendste Coffeeshop Enschedes. Regelmäßige Besucher wissen wohl, dass die Qualität der angebotenen Ware durchaus schwankt, diesmal hatten wir aber mit dem Silver Haze was gutes erwischt, und der Bongraucher unter uns war mit dem Caramello wohl auch recht zufrieden. Danach haben wir dem Kosmic Kitchen erneut einen Besuch abgestattet und ein wenig über das umgehängte Plakat geplaudert. Die Begründung fand ich definitiv nachvollziehbar: Der Ursprüngliche Platz in der Eingangstür würde einem zufällig vorbeigehenden Passanten oder gar Polizisten das Wort “Wiet” in die Augen springen. Da ein Smartshop unter einer besonderen Beobachtung steht möchte man vermeiden, dass irgendwo die Möglichkeit der Verwechslung mit einem Coffeeshop bestehe – denn Smartshops werden auch gerne mal geschlossen, wenn sie sich nicht an die Regeln halten. Daher hat man vorgezogen, das Plakat lieber im Inneren aufzuhängen. Allerdings tausche ich es demnächst gegen die große Version aus, so dass es dann kaum zu übersehen sein wird.  Wer noch nie in dem Laden war: Besucht ihn! Man fühlt sich dort gut aufgehoben und sehr freundlich behandelt!

Im Anschluss ging es weiter ins “Black Sea”. In dem Shop war ich länger nicht, aber ich habe vor kurzem gesehen, dass die dort (als einziger Shop in der Gemeinde) ein Ice-O-Lator auf der Karte hatten, worauf unser Bongraucher sich gefreut hat. Seiner Aussage nach war die Qualität sehr zufriedenstellend. Die erste Etage lädt zum längeren Verweilen ein.  Wir anderen zogen aber die Tüte vor – und darin ein Gras, dass ich bis dato auch noch nicht auf einer Karte in Enschede gesehen habe: Haagse Top – Bio-Wiet! Es hat sehr lecker gerochen und geschmeckt. Eine absolute Empfehlung. Wird definitiv meine neue Lieblingssorte aus der Stadt. Hoffentlich bleibt es auf der Karte. Das Black Sea habe ich in meinen letzten Besuchen eigentlich ohne Grund gemieden. Doch damit ist es jetzt vorbei. Positiv auch anzumerken der kostenlose Kaffee!

Danach hiess es Rückfahrt – was sich im Nachhinein als interessantester Teil des Tages herausgestellt hat! Unser Fahrer dürfte Euch kein Unbekannter sein: Manuel, mein Kollege von der Drug Education Agency und Blogger von Ausnahmemedizin. Da er aufgrund seiner chronischen Schmerzen über eine Ausnahmegenehmigung für Cannabis besitzt und somit Cannabis ausschliesslich aus medizinischen Gründen konsumiert ist er medizinisch, psychologisch und auch juristisch dazu in der Lage, ein Fahrzeug zu führen. Bestätigt wurde dies bereits durch eine freiwillige, bestandene MPU, durch Ärzte, Juristen und Polizisten. Jeder, der bei ihm schon einmal Beifahrer war, kann bestätigen, dass er ein verantwortungsvoller, sicherer und sehr guter Autofahrer ist. Würde er sich zu irgendeinem Moment unsicher fühlen, würde er nicht fahren.

Nachdem wir gerade die Grenze passiert haben kamen uns auf leerer Straße (B54) zwei Fahrzeuge des deutschen Zolls entgegen – die an der Grenze einen U-Turn machten uns dann wieder aufholten und uns mit modernster LED-Technik zu verstehen gaben, doch bei der nächsten Abfahrt die Bundesstraße zu verlassen, wo die vier Zöllner uns einer Kontrolle unterzogen. Zuerst wurde der Beifahrer heraus gebeten und befragt. Wo wir waren, was wir gemacht haben – das Übliche. Auf die Anmerkung, dass aus dem Wagen ein “süßlicher Duft” ströme, antworte er nur Wahrheitsgemäß “Wir haben einen Cannabispatienten bei uns – der darf das”

Mit so etwas rechnen Zöllner im Deutsch/Niederländischen Grenzgebiet nicht. Generell ist sowas für einen Staatsdiener ein ungewöhnlicher Fall, denn bei knapp 80 Millionen Bundesbürgen fällt eine niedrige dreistellige Zahl an Patienten mit Genehmigung kaum auf. Und so schauten sich die Zöllner fasziniert die Ausnahmegenehmigung an. Ein Zöllner kannte so etwas bereits von einem Tourettepatienten. Trotzdem sieht man sowas ja nicht alle Tage.

Leibesvisitationen an uns brachte natürlich nichts zu Tage. Und auch nach der Durchsuchung des Autos, die recht lange dauerte aufgrund der unzähligen Einkaufstüten vom Markt im Kofferraum. Irgendwann hiess es dann “So, das war es! Sie können weiterfahren.”

Wir haben für sie aufgeräumt und gelüftet!

Ein wenig ungläubig sind wir dann zurück zum Auto, haben die ausgeräumten Tüten zurück in den Kofferraum gelegt und uns wieder ins Auto gesetzt. Im Aschenbecher ein angerauchter Joint, neu positioniert vom Zoll!

Die Zöllner haben realisiert, dass Cannabis für Manuel eine Medizin ist. Sie ihm wegzunehmen käme einer Körperverletzung gleich. Die unbestrittene Tatsache, dass dieser Joint nach Deutschland eingeführt wurde, schienen die Zöllner zu tolerieren.  Ich will in dieses Ereignis jetzt nicht zu viel hineininterpretieren. Grund dürften wohl die fehlenden Dienstvorschriften in Verbindung mit drohendem Aktenwälzen sein. Allerdings war das ganze schon ein wichtiger Schritt in einer Revolution, die längst auch in Deutschland angekommen ist – die Akzeptanz von Cannabis als Medizin. Und nichts anderes ist unser Gras.

P.S.: Für alle Enschede-Fans und -Interessierte: In der kommenden Folge der DEA, die Anfang nächster Woche erscheinen wird, gibt es ein Enschede-Special von mir. Seid gespannt!

Geburtstag: 10 Jahre medizinisches Cannabis in den Niederlanden

geschrieben von mobo und veröffentlicht auf Kein Wietpas!

mobo im kh

mobo im Krankenbett nach Rückenoperation. Cannabis hilft auch ihm!

Seit mehr als 40 Jahren ermöglichen die niederländischen Coffeeshops die Versorgung der Bevölkerung mit Cannabis. Das Modell richtet sich vornehmlich an prokreative Konsumenten, aber natürlich ist es auch immer die bestmögliche Versorgungsquelle für Patienten gewesen, die so problemlos an Cannabis kommen konnten. Aber natürlich sind die Ansprüche für medizinische Konsumenten ein wenig anders als die von “Spaßkonsumenten”: Gleichbleibende Qualität und geringe Wirkstoffschwankungen sind bei einer Verwendung als Arzneimittel unabdingbar. Und so wurde in den Niederlanden im September 2003 kranken Menschen die Möglichkeit geschaffen, sich Cannabis ärztlich verschreiben zu lassen und eine standardisierte Qualität in der Apotheke erwerben zu können. Das medizinische Angebot wird von der Firma Bedrocan geschaffen, die mittlerweile vier verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Wirkstoffzusammensetzungen anbieten.

Aktuell gibt es in den Niederlanden 2000 Patienten, die Cannabis ärztlich verschrieben konsumieren. Tendenz: Steigend! (zum Vergleich: In Deutschland gibt es etwas weniger als 200 Patienten mit Ausnahmegenehmigung) 2012 wurden in den Apotheken insgesamt 11.000 Einzelrezepte eingelöst, 2013 werden 13.000 erwartet. Gleichzeitig ist Bedrocan auch Exportweltmeister für medizinisches Cannabis: die markanten gelben Dosen werden in allen europäischen Ländern mit einem medizinischen Cannabisprogramm verkauft. In all diesen Ländern geht der Trend auch nach oben. Bedrocan hat oft Lieferschwierigkeiten und vergrößert ihre Produktion ständig. Natürlich läuft nicht alles problemlos, die Preise sind (wahrscheinlich auch aufgrund fehlender Konkurrenz) astronomisch hoch, weshalb viele Patienten lieber auf Schwarzmarktware zurückgreifen wollen oder müssen.

Aber der Weg ist ein Richtiger!

Gastbeitrag: Steter Tropfen höhlt den Stein

Es ist mir eine besondere Freude, schon heute den ersten Gastbeitrag hier veröffentlichen zu dürfen. Er wurde von meinem Blog-Papa und guten Freund Stefan Müller (mobo) von „Kein Wietpas!“ verfasst und ich hoffe, dass er mich auch weiterhin tatkräftig beim Projekt „Ausnahmemedizin“ unterstützt. Stefan ist Dronabinol-Patient und benötigt dafür KEINE Ausnahmegenehmigung von der Bundesopiumstelle, es kann ganz normal von jedem Arzt auf einem Privatrezept für ein sehr breites Spektrum an Indikationen verordnet werden. Der wunderschön eindeutig zweideutige Name des Blogs, Ausnahmemedizin, ist übrigens auch eine Idee von Stefan! Lasst uns mal schauen, wie es Ihm in seiner Reha ergeht:

Mein Name ist Stefan Müller, viele dürften mich als „mobo“, dem Betreiber von „Kein Wietpas!“ kennen. Auf Grund eines Bandscheibenvorfalls und einer Fehlstellung eines Wirbels leide ich seit fast einem Jahr an stark einschränkenden chronischen Schmerzen, bei denen mir Cannabis hilft.
Aktuell bin ich Dronabinol-Patient, ich strebe aber aus verschiedenen Gründen eine Ausnahmegenehmigung an.

Derzeitig befinde ich mich in einer stationären Anschlussheilbehandlung („Reha“), da ich im April am Rücken operiert wurde. Beim Antrittsgespräch mit meinem behandelnden Arzt ging es unter anderem um das Thema Medikation. Nach der OP wurde ich im Krankenhaus mit relativ hohen Dosierungen von Schmerzmitteln eingestellt (was sich auch deutlich an den Leberwerten zeigt).
Wahrheitsgemäß gab ich im Gespräch an, dass ich neben den Medikamenten aus dem Krankenhaus auch Dronabinol verschrieben bekommen habe, ich es aufgrund des hohen Preises aber eher als „Notfallmedikament“ bei starken Schmerzen sehe, und ich langfristig eher eine Therapie mit Cannabisblüten anstrebe, auch aufgrund des preislichen Unterschiedes.

Der recht junge Arzt gab daraufhin ehrlich zu, dass er über die Thematik nicht so viel fachliches Wissen besäße, aber der Cannabinoidbehandlung grundsätzlich sehr offen gegenüber stünde.

Nach seinem Vorschlag sollte ich doch eher die stark leberschädigenden Schmerzmittel reduzieren und stattdessen auf das Dronabinol zurückgreifen. Er wisse um die medikamentenverstärkende Wirkung und der besonders guten körperlichen Verträglichkeit.

Diese Reaktion hat mich doch überrascht und natürlich sehr positiv gestimmt. Wenn der medizinische Nachwuchs weiterhin so aufgeschlossen ist, wird es in Deutschland vielleicht doch endlich schneller voran gehen!

Nach ein paar Tagen des Testens konnte ich meine Schmerzmitteldosis stark reduzieren, ohne dabei körperliche und geistige Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Auch die Leberwerte haben sich seitdem verbessert.

4:20 Smokeout in Amsterdam

Am 20.04.2013 war es so weit: Ich habe mich mit der Truppe von „Kein Wietpas!“ und ein paar anderen Leuten aus der deutschen Aktivistenszene in Amsterdam zum Smoke Out getroffen, um gemeinsam mit Ihnen gegen den Wietpas bzw. die niederländische Drogenpolitik zu demonstrieren.

Und dabei stand ein Tag vor diesem Event noch nicht einmal fest, ob ich überhaupt nach Amsterdam komme, da meine Partnerin ausgerechnet an diesem Samstag arbeiten musste, was nur alle zwei Monate einmal vorkommt. Ich habe sie dann an diesem Morgen zur Arbeit gebracht, danach habe ich unseren Hund bei Ihrer Mutter abgeliefert und dann konnte die Reise losgehen. Meine Partnerin ist nach der Arbeit von Ihrer Mutter abgeholt worden, sodass ich nicht auf die Zeit achten musste und den Tag entspannt angehen konnte.

Vor der Fahrt habe ich noch einmal meine Medizin eingenommen und eine Dosis (in Form eines Joints) meiner Medizin habe ich zur Reserve mitgenommen, falls ich in einen Stau komme und zwischendurch mal eine Pause machen würde. Das kam jedoch nicht vor und ich erreichte Amsterdam gegen 11 Uhr, wobei ich das riesen Problem hatte, dass ich nie Guthaben auf dem Handy habe und aus dem Grund niemanden vom „Kein Wietpas!“ Team erreichen konnte. Ich entschloss mich, erstmal weiter nach Haarlem zu fahren, wo Nol van Schaik, einer der Initiatoren des 4:20 Smoke Out zwei Coffeeshops betreibt, und da mobo von „Kein Wietpas!“ in gutem Kontakt zu ihm steht, habe ich gehofft, mobo im Coffeeshop Indica anzutreffen. Dem war nicht so, aber Nol hat mich sehr freundlich in Empfang genommen und hinter den Tresen an seinen PC gelassen, um mobo über Facebook zu kontaktieren. Nachdem mir das gelungen war entschied ich mich, mein Auto in Haarlem stehen zu lassen und mit der Bahn nach Amsterdam reinzufahren und ich denke, dass es sowohl finanziell als auch zeitlich die richtige Entscheidung war.

Die Purtüte aus dem Indica wirkte noch nach, als ich am Bahnhof von Haarlem meine vorgedrehten Joint von zuhause rauchte, um die Zeit bis zum Erscheinen der Bahn sinnvoll zu nutzen 😉 Zu meiner Überraschung und wie sich herausstellte auch zu meinem großen Glück gibt es in der Bahn in Amsterdam kostenloses W-Lan, denn ich hatte mit mobo noch keinen konkreten Treffpunkt ausgemacht und am Bahnhof hätten wir uns warscheinlich nicht gefunden. Wir verabredeten uns für Barneys Coffeeshop, in dem wir uns dann auch trafen und ich den Rest vom „Kein Wietpas!“ Team kennenlernen konnte (mobo kannte ich bereits vorher). Dort konsumierte ich einen Purjoint und einen nahm ich für das Smoke-Out mit, allerdings hätte ich mich besser schon direkt für den ganzen Abend eindecken sollen, da ich später nicht mehr die Gelegenheit bekam, mir meine Medizin für den restlichen Abend zu besorgen 😦

Eine dreiviertel Stunde vor dem Smoke-Out haben wir uns vom Barneys aus auf den Weg zum Stadhuis gemacht, und das wäre fast unser nächster schwerwiegender Fehler geworden, denn wir bemerkten schnell, dass das Stadhuis 6 km entfernt ist und wir es zu Fuß unmöglich rechtzeitig erreichen können. Wie der Zufall so will sahen wir auf unserem Weg ein Großraumtaxi am Straßenrand stehen und obwohl der Fahrer gerade Pause machte, versprach er uns, sobald er sein bestelltes Essen bekommen hatte, uns noch rechtzeitig am Stadhuis abzusetzen, wo wir dann auch um 16:15 Uhr eintrafen… Puhhh, das sollte wohl so sein 😀

Eine stattliche Menschenmenge war vor einer kleinen Bühne versammelt und die beiden Initiatoren – Peter Lunk und Nol van Schaik – heizten der Menge ein und stimmten den Countdown an, bis pünktlich um 16:20 Uhr eine riesige Rauchwolke den Vorplatz des Stadhuis in Nebel hüllte. Danach folgten noch einige musikalische Beiträge und Reden von Menschen aus den verschiedensten Ländern, u. a. trat auch Selassikai auf und Antonio Peri hielt eine spontane Rede. Insgesamt war der oder das 😉 Smoke Out in Amsterdam ein tolles Event, obwohl ich eigentlich noch mehr Besucher erwartet hätte.

Dies spiegelte sich leider auch auf dem anschließenden Festival wieder, welches etwas außerhalb von Amsterdam stattfand (keine Coffeeshops in der Nähe, um sich nochmal eindecken zu können), obwohl vorher auf dem Smoke Out noch eine ganze Menge Freikarten verteilt wurden. Da ich relativ spontan in Amsterdam war, hatte ich das Glück, mir im Vorfeld noch keine Karte gekauft zu haben und so konnte ich mir das Eintrittsgeld sparen. Ich war mit dem Team von „Kein Wietpas!“ als Erster an der Halle, allerdings war ich der Einzige, der kein V.I.P. Ticket hatte. Die V.I.P. Gäste durften zuerst rein und ich musste noch warten, aber schon kurze Zeit später kam mobo mit einem V.I.P. Bändchen wieder raus… Der Wahnsinn oder? Leider konnte das auch nichts an der überdimensionierten Halle ändern, allerdings musste ich mir keine Gedanken mehr um meine Medizin machen, da im V.I.P. Bereich ständig  Medizinal-Cannabis-Zigaretten kreisten. Unangenehm war es mir dennoch, keine eigene Medizin dabei gehabt zu haben. Der Höhepunkt des Festivals war neben verschiedenen Ständen von Head- und Growshops und einem Barbier ein großer Contest, bei dem vier Teams aus Großbritannien, Italien, den Niederlanden und Deutschland in verschiedenen Disziplinien wie z.B. möglichst schnell 1,5 g Ice-O-Lator Hash durch eine(n) Bong zu rauchen gegeneinander antraten. Die deutschen konnten dabei hinter den Niederländern und den Briten den dritten Platz belegen, was aber eigentlich völlig nebensächlich war. Obwohl ich an diesem Tag auch etwas mehr Cannabis konsumiert habe als normal, möchte ich diesen Contest dennoch hier kritisieren, da diese exzessive Kifferei mit Sicherheit nicht mehr der Gesundheit dienlich sein kann und auch für die Außenwirkung finde ich es relativ unpassend. Mich wundert es, dass ich bisher nirgends Kritik zu diesem Contest gelesen habe!

Der ganze Tag in Amsterdam hat sich trotz einiger Komplikationen mehr als gelohnt und gegen 1 Uhr habe ich mich dann auf den Heimweg gemacht (erst mit der Bahn zurück nach Haarlem und dann weiter mit dem Auto). Um 3:15 Uhr war an der Grenze alles ruhig. Ich erwähne das, weil ich zwar Auto fahren darf, aber trotzdem noch nicht weiß, wie unwissende Polizisten auf mich reagieren. Selbstverständlich hatte ich auf dem Rückweg nach Deutschland kein Cannabis im Gepäck, da die Einfuhr auch für Patienten strengstens verboten ist, selbst wenn es meine Medizin ist, die ich vorher schon aus Deutschland ausgeführt habe (was ich streng genommen auch nicht darf, aber die Niederländer sehen das nicht so eng)! Als ich um halb fünf zuhause ankam, ging dann ein langer und ereignisreicher Tag zuende.