Ein Armutszeugnis der Führerscheinstelle Hamm

Es sind jetzt 5 Wochen vergangen, seitdem ich mein medizinisch-psychologisches Gutachten bei der Führerscheinstelle in Hamm eingereicht habe. Ein guter Zeitpunkt also, um nochmal persönlich vorstellig zu werden und mich mal schlau zu machen, woran es denn jetzt gerade scheitert, dass ich meinen Führerschein immer noch nicht wieder zurück bekommen habe!

Im Gespräch wurde schnell deutlich, dass ALLE Entscheidungsträger der Führerscheinstelle in Hamm mit meinem Fall maßlos überfordert sind und Sie nicht damit gerechnet haben, dass ich Ihnen tatsächlich eine positive MPU vorlege. Wie sonst lässt es sich erklären, dass das Gutachten jetzt mittlerweile schon 5 Wochen „juristisch geprüft“ wird und sogar der Rat von Gesundheitsamt und anderen Behörden hinzugezogen wird? Ist die Führerscheinstelle nicht in der Lage selbstständig solche Entscheidungen zu treffen? Erst zweifeln Sie meine Fahrtauglichkeit an, dann Weise ich nach das Ihre Zweifel unbegründet waren und trotzdem können Sie diese Entscheidung offensichtlich nicht alleine treffen…

Ein Armutszeugnis liebe Führerscheinstelle Hamm!

Aber zurück zum Thema: Die gute Nachricht ist, dass ich früher oder später meinen Führerschein zurückbekomme, diese Aussage habe ich heute schonmal mündlich erhalten. Die schlechte Nachricht ist, dass ich ihn nicht ohne Auflagen bekomme, d. h. dass ich auf eigene Kosten regelmäßige Drogenscreenings über mich ergehen lassen soll 😦 Diese Drogenscreenings sollen verhindern, dass ich mein Medikament missbrauche!

„Wir möchten uns rechtlich absichern bevor wir irgendwann bei sternTV auf dem Sofa sitzen“ war eine der Aussagen eines Mitarbeiters der Führerscheinstelle! Warum sollte ich damit zu sternTV? Ich möchte nur meinen Füherschein, dann bin ich schon zufrieden! Naja, falls jemand jemanden kennt der jemanden kennt der bei sternTV arbeitet, so langsam geht mir diese Behörde tierisch auf den Sack und ich würde doch gern mal auf dem Sofa von sternTV mit den Mitarbeitern der Führerscheinstelle kuscheln 😉

Aber bei mir kommt bezüglich der Drogenscreenings eh noch eine Frage auf… wie soll das funktionieren????????

Das Drogenscreening bei meiner MPU hat beim Urintest einen Wert von mehr als 100 ng/ml (Referenzbereich <5ng/ml) THC und bei der Haaranalyse 0,89 ng/ml ergeben. Diese Werte sind jedoch als Vergleichswerte für zukünftige Drogenscreening nicht geeignet, da ich die vom Arzt maximal pro Tag verordnete Menge zur Zeit gar nicht einnehme! Selbst wenn der nächste Wert doppelt so hoch wäre, wäre es kein Zeichen für einen Missbrauch meinerseits, sondern es wäre höchstens ein Indiz dafür, dass ich die ärztlich verordnete Menge auch wirklich ausreizen würde.

Ein weiterer Punkt, den die Führerscheinstelle Hamm nicht wirklich interessiert, ist, dass ich die Dosis meines Medikaments von meinem Arzt ganz unkompliziert erhöhen lassen könnte, wenn er es für angebracht hielte. Wenn ich das Gefühl habe, dass mir meine 2 g Tagesdosis nicht ausreichend helfen würden, würde ich ihn einfach fragen, ob wir die Dosis anpassen könnten, bevor ich mir von der Führerscheinstelle einen Missbrauch vorwerfen lassen würde!

In den kommenden Tagen mache ich mir mit meinem Anwalt Gedanken darüber, ob ich gegen die Führerscheinstelle Klage wegen Untätigkeit einlegen werde!

Hier sind nochmal alle Links zu bisher veröffentlichten Beiträgen bezüglich der Führerscheinproblematik in chronologischer Reihenfolge:

15.08.2013 Polizeikontrolle im Straßenverkehr
27.10.2013 Reisebericht Enschede – freundliche Lüftungsaktion des Zolls
16.11.2013 Führerscheinstellen dürfen bei ärztlich verodnetem Cannabis nur unter bestimmten Voraussetzungen eine MPU anordnen
21.11.2013 Entgegen einhelliger Expertenmeinung entzieht Führerscheinstelle mir den Führerschein
22.11.2013 Klinische Studie zur Fahreignung von Cannabispatienten in Planung
12.06.2014 Vielen Dank!

Antenne Unna berichtet über Cannabis als Medizin

Heute kam ein Bericht über Cannabis als Medizin auf Antenne Unna. Auch ich wurde dafür interviewt, wusste allerdings im Vorfeld nicht, wann der Beitrag erscheint. Leider ist der Bericht nicht in der Audiothek von Antenne Unna zu finden, daher fehlen hier die An- und Abmoderationen, aber zumindest könnt Ihr Euch die Beiträge nochmal anhören.

 

mit freundlicher Genehmigung von Antenne Unna

 

P.S.: Frau Horschler hätte mit mehr Feedback gerechnet, falls Ihr zu dem Thema was loswerden möchtet, könnt Ihr den Beitrag auf der Facebookseite von Antenne Unna gerne kommentieren, ich würde mich freuen 🙂

klinische Studie zur Fahreignung von Cannabispatienten in Planung

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Dr. med. F. Grotenhermen

Ein renommiertes Institut in Nordrhein-Westfalen möchte eine klinische Studie zur Fahreignung von Patienten, die Cannabis oder einzelne Cannabinoide therapeutisch verwenden, durchführen. Bevor die Studie in Angriff genommen werden soll, soll geklärt werden, ob eine ausreichend große Anzahl von Patienten bereit ist, an einer solchen Studie teilzunehmen.
Es gibt bereits Überlegungen zum Studiendesign, das beispielsweise Tests zur psychomotorischen Leistungsfähigkeit, wie sie auch bei einer MPU durchgeführt werden, beinhalten soll. Es handelt sich dabei aber erst um vorläufige Überlegungen.
Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele Patienten, die Cannabisblüten, Sativex oder Dronabinol einnehmen und an unterschiedlichen Erkrankungen leiden, grundsätzlich bereit wären, an der Studie teilzunehmen. Es gibt eine kleine Aufwandsentschädigung und auch einen kleinen Reisekostenzuschuss, der aber sicherlich nicht die Kosten für eine lange
Anreise kompensieren kann. Details können erst später bekannt gegeben werden, wenn das Studiendesign steht und die Studie offiziell beginnen soll.
Jeder und jede Interessierte möge sich bitte bei Dr. Franjo Grotenhermen unter info@cannabis-med.org melden.

Entgegen einhelliger Expertenmeinung entzieht Führerscheinstelle mir den Führerschein

Vor ein paar Tagen habe ich noch darüber berichtet, dass es von Führerscheinstellen rechtswidrig wäre, von einem Patienten eine MPU zu verlangen, der eine Ausnahmegenehmigung für medizinal-Cannabisblüten besitzt und bei dem kein Verdacht auf einen Missbrauch vorliegt. Leider ist das, was Führerscheinstellen machen nicht immer das, was sie auch dürfen und so hat mir die Führerscheinstelle in Hamm in dieser Woche den Führerschein entzogen, obwohl in der Begründung keine Verdacht des Missbrauchs von Cannabis geäußert wird. Das ganze steht im Zusammenhang mit einer Polizeikontrolle Mitte August, bei der mich die Polizei meine Fahrt hat weiter fortsetzen lassen, da sie (bis auf mein Medikament) keine Zweifel an meiner Fahrtauglichkeit hatten!

Auf Nachfrage wurde mir vom zuständigen Sachbearbeiter mitgeteilt, dass ihm die Rechtslage zu diesem Thema nicht eindeutig genug erscheint und in Absprache mit der Juristin der Führerscheinstelle in Hamm angestrebt wird, ein Grundsatzurteil zu diesem Thema zu bewirken. Da ich keine andere Möglichkeit sehe, habe ich meinen Anwalt kontaktiert und werde in den nächsten Tagen Klage gegen dieses Vorgehen einreichen und den sofortigen Entzug meines Führerscheins anfechten! Wenn es da einer grundsätzlichen Entscheidung bedarf, werde ich mich dem stellen, denn ich habe mir im Gegensatz zur Führerscheinstelle nichts vorzuwerfen! Sobald es Neuigkeiten gibt, werde ich hier im Blog darüber berichten.

Führerscheinstellen dürfen bei ärztlich verodnetem Cannabis nur unter bestimmten Voraussetzungen eine MPU anordnen

Am 24.10.2013 fand bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) in Bergisch Gladbach ein Expertengespräch zum Thema THC-Grenzwerte im Straßenverkehr statt. Insgesamt waren ca. 20 Experten vor Ort, darunter Pathologen, Pharmakologen/Toxikologen, Ärzte, Wissenschaftler und Juristen. Auch Dr. Grotenhermen (Vorstand der IACM & Mitarbeiter des nova-Instituts) nahm als Experte an dieser Veranstaltung Teil und so konnte ich als einer seiner Helfer ebenfalls die Gespräche und Diskussionen miterleben.

geballte Expertenpower in der BAST

geballte Expertenpower in der BAST

Da ich mit Dr. Grotenhermen erst spät zur Grenzwertdiskussion dazugestoßen bin und es unter den Experten noch keine einhellige Meinung zu dem Thema gibt, möchte ich darauf auch gar nicht näher eingehen. Viel interessanter für die Leser dieses Blogs dürfte der Vortrag von Dr. Grotenhermen sein, denn er ist explizit auf die Problematik von Cannabispatienten im Straßenverkehr eingegangen. Bei dem Thema waren sich die Experten schnell einig, dass eine Straßenverkehrsbehörde sich gesetzeswidrig über den §24a Abs. 2 StVO hinwegsetzt, wenn sie bei Patienten mit einer Ausnahmegenehmigung von der Bundesopiumstelle für medizinische Cannabisblüten eine MPU verlangt. Ausnahmen davon gelten nur, wenn es hinreichenden Verdacht gibt, dass ein Patient sein Medikament oder zusätzlich eine andere Substanz missbräuchlich verwendet. Das dürfte jedoch bei den meisten Patienten nicht der Fall sein.

Ein Experte betonte, dass es nicht sein kann, dass Ärzte aufgrund der Füherscheinproblematik nicht frei entscheiden können, welches Medikament sie verordnen können und welches nicht. Man kann davon ausgehen, dass ein Patient nach der Dosisfindung – die im Regelfall 6-8 Wochen andauert und in der ein Patient NICHT fahrtauglich ist – ganz normal ein Kraftfahrzeug ohne Sicherheitsbedenken führen kann und genau dafür wurde auch der Passus „Ausnahmen gelten nur, wenn die verwendete Substanz aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen bestimmten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt.“ im §24a Abs. 2 StVO ergänzt (damals aufgrund von Opiaten). Einen ausführlichen Artikel und Auszüge aus der Power Point Präsentation von Dr. Grotenhermen gibt es in den ACM-Informationen von heute.

Trotzdem ist das natürlich kein „Freifahrtschein“ für Patienten mit einer Ausnahmegenehmigung der Bundesopiumstelle für medizinal-Cannabisblüten. Wir müssen uns unserer besonderen Verantwortung im Straßenverkehr bewusst sein und ggf. auch mal das Auto stehen lassen, wenn wir das Gefühl haben, es nicht sicher führen zu können. Denn eins steht fest: wenn ein Patient mit seinem Medikament im Straßenverkehr Ausfallerscheinungen zeigt oder gar in einen Unfall verwickelt ist, wird genauestens geprüft, ob es nicht mit der verordneten Substanz in Zusammenhang stehen kann!

bast3

Gastbeitrag: Domian und medizinisches Cannabis

Zum wiederholten Male taucht er jetzt schon in diesem Blog auf und dafür bin ich Ihm natürlich sehr dankbar! Heute berichtet mobo von „Kein Wietpas!“ über Domian und wie er zum Thema „Cannabis in der Medizin“ steht.

Ich bin nicht nur Betreiber von „Kein Wietpas!“ und selbst Cannabiskonsument aus medizinischen Gründen, sondern ich bin auch noch ein riesiger Fan der 1Live Radiotalksendung „Domian“. Jürgen Domian (55) ist wohl der beste Ratgeber, den man sich in so ziemlich jeder Lebenslage vorstellen kann. Durch seine langjährige Radiosendung und wegen vieler Fernsehauftritte ist der bekennende Bi-sexuelle Träger des Bundesverdienstkreuzes eine moralische Instanz in Deutschland. Oder gar DIE moralische Instanz. Tausende von Menschen haben sich bereits in aller Öffentlichkeit einen Ratschlag für die verschiedensten Nöte geholt.

Domian hat in vielen Bereichen des Lebens eine sehr liberale Einstellung, die dafür sorgt, dass es häufiger vorkommt, dass man von den abstrusesten sexuellen Neigungen zuerst bei Domian gehört hat. Nur in Punkto Rauschmittel gibt sich das SPD-Mitglied oft stock konservativ. Wenn ein Anrufer irgendwo beiläufig Drogenkonsum erwähnt, wird der Moderator oft hellhörig und gibt dem Konsum die Schuld an dem jeweiligen Problem.

Auch Cannabiskonsum hat er stets kritisiert und rasselte dabei in der Regel die typischen Argumente der Prohibitionisten herunter. Natürlich hat er dabei immer im Hinterkopf, dass er eine gewisse Vorbildfunktion hat und möchte so auch verhindern, dass ihm eine Anstiftung zum Drogenkonsum vorgeworfen werden kann.

In all den Jahren, in denen ich jetzt Domian schon höre ist mir nie ein Statement zur medizinischen Verwendung von Cannabis aufgefallen, dabei ist er beinahe täglich mit Menschen konfrontiert, die zumindest mal Cannabis als Alternativmedizin für ihre Krankheit testen könnten. Doch jetzt hat er meines Wissens nach erstmalig in einer Sendung vom medizinischen Nutzen von Cannabis gesprochen und wollte entgegen seiner Gewohnheit dem Anrufer nicht sofort den Konsum ausreden. Regelmäßige Domian-Hörer dürften die Aussage auf jeden Fall bemerkenswert finden. Auch ist sie ein gutes Indiz, dass sich das Wissen um die Heilwirkung von Cannabis immer weiter verbreitet. Schön, dass es einen neuen Mitstreiter gibt!

Die Folge, um die es geht, könnt Ihr Euch hier anhören. Den Anrufer, um den es geht, hört man ab 45.50min. und die explizite Stelle beginnt ab 51.45min.

Die neue Ausgabe der Drug Education Agency

Vor ein paar Tagen ist die neue Folge der Drug Education Agency (DEA 31) auf Youtube erschienen! Diesmal gibts mehr Videomaterial von mir in einer Folge, als in den letzten zehn Folgen zusammen 🙂 Dabei berichte ich über eine interessante Studie aus den U.S.A., in der es darum geht, dass der Alkoholkonsum und die Anzahl der tödlichen Verkehrsunfälle in den Bundesstaaten deutlich gesunken ist, in denen die Verwendung von Cannabis zu medizinischen Zwecken erlaubt ist und ich führe gemeinsam mit Markus Berger ein Interview mit DEM Cannabisexperten in Deutschland: Dr. med. Franjo Grotenhermen!
Natürlich sind aber auch wieder viele andere interessante Beiträge in diesem „Hanf-Special“ der DEA mit dabei, solltet Ihr Euch auf keinen Fall entgehen lassen, falls Ihr die Sendung bisher verpasst habt!

Geburtstag: 10 Jahre medizinisches Cannabis in den Niederlanden

geschrieben von mobo und veröffentlicht auf Kein Wietpas!

mobo im kh

mobo im Krankenbett nach Rückenoperation. Cannabis hilft auch ihm!

Seit mehr als 40 Jahren ermöglichen die niederländischen Coffeeshops die Versorgung der Bevölkerung mit Cannabis. Das Modell richtet sich vornehmlich an prokreative Konsumenten, aber natürlich ist es auch immer die bestmögliche Versorgungsquelle für Patienten gewesen, die so problemlos an Cannabis kommen konnten. Aber natürlich sind die Ansprüche für medizinische Konsumenten ein wenig anders als die von “Spaßkonsumenten”: Gleichbleibende Qualität und geringe Wirkstoffschwankungen sind bei einer Verwendung als Arzneimittel unabdingbar. Und so wurde in den Niederlanden im September 2003 kranken Menschen die Möglichkeit geschaffen, sich Cannabis ärztlich verschreiben zu lassen und eine standardisierte Qualität in der Apotheke erwerben zu können. Das medizinische Angebot wird von der Firma Bedrocan geschaffen, die mittlerweile vier verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Wirkstoffzusammensetzungen anbieten.

Aktuell gibt es in den Niederlanden 2000 Patienten, die Cannabis ärztlich verschrieben konsumieren. Tendenz: Steigend! (zum Vergleich: In Deutschland gibt es etwas weniger als 200 Patienten mit Ausnahmegenehmigung) 2012 wurden in den Apotheken insgesamt 11.000 Einzelrezepte eingelöst, 2013 werden 13.000 erwartet. Gleichzeitig ist Bedrocan auch Exportweltmeister für medizinisches Cannabis: die markanten gelben Dosen werden in allen europäischen Ländern mit einem medizinischen Cannabisprogramm verkauft. In all diesen Ländern geht der Trend auch nach oben. Bedrocan hat oft Lieferschwierigkeiten und vergrößert ihre Produktion ständig. Natürlich läuft nicht alles problemlos, die Preise sind (wahrscheinlich auch aufgrund fehlender Konkurrenz) astronomisch hoch, weshalb viele Patienten lieber auf Schwarzmarktware zurückgreifen wollen oder müssen.

Aber der Weg ist ein Richtiger!

Polizeikontrolle im Straßenverkehr

Lange Zeit war es hier im Blog relativ ruhig, aber seit neuestem überschlagen sich bei mir die Ereignisse wieder. Eigentlich wollte ich erstmal einen Artikel über die Hanfparade in Berlin bloggen, aber aus aktuellem Anlass schiebe ich das etwas nach hinten und erzähle Euch von meiner gestrigen Polizeikontrolle!

Es war kurz nach 22.30 Uhr, als ich das Gelände der Tankstelle wieder verließ. Schon vorher hatte ich an der Zapfsäule einen Polizeiwagen gesehen, der bei meinem Eintreffen gerade wieder los fuhr. Auf meinem Weg von der Tanke nach Hause klemmte sich dieser Polizeiwagen direkt hinter mich und versuchte mich durch drängeln und ähnliche verkehrsgefährdende Situationen zu verunsichern, aber ich ließ mich nicht irritieren und bin einfach weitergefahren. Nach ungefähr einem Kilometer zogen sie mich dann aus dem Verkehr und ein junger Polizist fragte mich nach Alkohol- oder Drogenkonsum, was ich verneinte. Danach wurde er deutlicher und fragte nach Marijuana, wobei er mir zu verstehen gab, dass er es schon gerochen hat. Daraufhin teilte ich ihm mit, dass ich Marijuana zwar konsumiere, es aber keine Droge sondern ein Arzneimittel sei und kramte meine Ausnahmegenehmigung aus meiner Tasche. Er sagte sofort, dass er davon noch nie gehört habe und fragte direkt seine (ebenfalls noch junge) Kollegin, die von den Ausnahmegenehmigungen zwar schon gehört hatte, aber nicht davon ausging, dass ich damit Autofahren darf. Vor Ort konnten die Polizisten das nicht klären, daher baten sie mich mit ihnen zur Wache zu fahren und ich willigte ein. Schon bei der Kontrolle und auch auf dem Weg zur Wache wurde ich von beiden Polizisten sehr freundlich behandelt und sie erkundigten sich sehr interessiert nach dem Hintergrund für mein Medikament.

Auf der Wache war ich sofort Gesprächsthema Nr.1 und (geschätzt) alle diensthabenden Polizisten kamen zwischendurch in den Raum, in dem ich mit dem jungen Polizisten saß. Dieser wälzte mehr oder weniger verzweifelt das BtMG und die StVO, aber konnte keinen Paragraphen finden, der mich entlasten konnte, also wies ich ihn auf § 24a Abs. 2 StVO hin (Das Führen eines Kraftfahrzeugs unter dem Einfluss von Cannabis stellt nach §24a eine Ordnungswidrigkeit dar. Ausnahmen gelten nur, wenn die verwendete Substanz aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen bestimmten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt.) So ganz überzeugt, dass es sich in meinem Fall wirklich um ein Arzneimittel handelt, waren die Polizisten immer noch nicht und wollten sich das erst vom Arzt (der auch die Blutprobe abgenommen hätte) telefonisch bestätigen lassen. Das tat er auch, aber er wies die Polizisten darauf hin, dass dies nur der Fall ist, wenn bei mir keine Ausfallerscheinungen erkennbar sind. Obwohl der „ältere“ Chef mich darauf hinwies, dass ich nicht aussehen würde, sicher ein KFZ führen zu können, konnte er dennoch keine Ausfallerscheinungen erkennen und ließ mich mit dem Satz „Ich habe keine Skrupel bei Ihnen eine Blutprobe anordnen zu lassen, wenn sie in einen Unfall verwickelt sind.“ von seinen jungen Kollegen wieder zurück zu meinem Auto bringen! An meinem Auto angekommen teilte der Polizist mir noch mit, dass er mich „beim nächsten Mal einfach nur freundlich grüßt“ und mich dann direkt weiterfahren lässt 😀 Mit einer Stunde Verzögerung durfte ich dann weiterfahren!

Die ganze Atmosphäre bei der Polizei und im Umgang mit mir war sehr freundlich und locker, ich habe mich in keiner Sekunde als Krimineller gefühlt! Auch wenn der Chef etwas schroff wirkte, so blieb auch er die ganze Zeit höflich und mit seinen jungen Kollegen hat die Unterhaltung sogar richtig Spass gemacht und war für beide Seiten recht informativ. Eine positive neue Erfahrung für alle Beteiligten würde ich mal behaupten…

Jetzt bleibt abzuwarten, wie das Straßenverkehrsamt reagiert, aber ich habe mich ja bereits freiwillig einer MPU unter Cannabiseinfluß unterzogen und richtig gute Ergebnisse erzielt! Spannend bleibt es trotzdem…

Übrigens ist mir gestern wieder aufgefallen, wie viele meiner ehemaligen Mitschüler vom Märkischen Gymnasium (v.a. aus dem Sport LK Abschluss 2001 und 2002) in Hamm jetzt auf Streife unterwegs sind 🙂 Daher möchte ich hier mal Roland  (den ich nach über 10 Jahren gestern auf der Wache treffen durfte) und allen anderen Kollegen herzliche Grüße hinterlassen! Ich war gestern von der Arbeit der Polizei positiv überrascht… macht weiter so!!!