Cannabis ist keine „Alternativmedizin“!

von Stefan Müller

Rembrandt: Der Quacksalber

Homöopathie, Bachblüten und Ähnliches sind Humbug. Ich weiß, manch einen wird diese Aussage schockieren, aber in noch keiner einzigen medizinischen Studie konnte die Wirksamkeit dieser wirkstofflosen „Medikamente“ nachgewiesen werden.

Trotzdem ist der Markt für Zuckerkügelchen und Co. gigantisch, auch weil die Apotheken (die natürlich kräftig mitverdienen) und sogar manche Ärzte schön mithelfen.

Diese „Alternativmedizin“ wird dann als Gegenmodell zur „Schulmedizin“ verwendet und genau dort ist der Denkfehler! Es gibt keine „Schulmedizin“ und es gibt keine „Alternativmedizin“. Diese Begrifflichkeit sind ausschliesslich umgangssprachlicher Natur. Es gibt lediglich wirksame und wirkungslose Medizin.

Trotzdem gibt es aber eine beachtliche Zahl an Menschen, die auf die Wirkung von Homöopathie und Co. schwören und deshalb vehement deren Existenzberechtigung verteidigen. Dabei beruht deren Wirkung ausschließlich auf dem Placeboeffekt. Placebos haben eine Existenzberichtigung. Oftmals ist deren Einsatz eine gute Alternative für behandelte Ärzte um die Selbstheilungskräfte zu aktivieren, ohne dabei auf Medikamente zurückzugreifen, die den Organismus zu sehr schädigen und dabei den Krankheitsverlauf nur unwesentlich verbessern.

Oft wird als Gegenargument entgegnet, dass es ja sehr wohl einige Krankenkassen, die die Kosten der „Alternativmedizin“ übernehmen. Warum sollten die das denn bei wirkungslosen Medikamenten tun? Die Antwort ist ganz einfach: Die Kassen freuen sich über diese Kunden! Sie sind in der Regel 20-40 Jahre alt, in der Regel also noch nicht zu häufig in teurer medizinischer Behandlung. Sie verzichten gerne auf „schulmedizinische“ Medikamente zu Gunsten von „Alternativmedizin“. Das macht sie zu sehr günstigen Kunden, denen man nur ab und zu ein paar Zuckerkügelchen bezahlen muss um sie glücklich zu machen. Aus wirtschaftlicher Sicht also vollkommen nachvollziehbar. Aus moralischer Sicht aber mitnichten. Dadurch wird ein Irrglaube gefestigt, es wird das Vertrauen in die Wissenschaft geschmälert und es werden höchst zweifelhafte Geschäftspraktiken unterstützt. Meiner Meinung nach ist es äusserst unmoralisch, an Placebos viel Geld zu verdienen.

Zu guter Letzt ist es dann noch eine Verhöhnung für alle Cannabispatienten, denen die Kostenerstattung ihrer wirksamen Medizin verwehrt wird und sie aus eigener Tasche übernehmen müssen.

Man sollte es einmal explizit sagen: Cannabis ist keine „Alternativmedizin“! Cannabis ist eine sehr gut erforschte Heilpflanze, deren Wirkung umumstritten und wissenschaftlich nachgewiesen ist. Die Dämonisierung ist ausschliesslich politischer Natur und hat nichts mit einem Grabenkampf zwischen „Schulmedizinern“ und „Alternativmedizinern“ zu tun.

Das, was landläufig „Schulmedizin“ genannt wird, macht auch keinen Unterschied zwischen synthetisches und natürlichen Medikamenten. Die Wissenschaft versucht lediglich aus den Wirkstoffen der Natur eine standardisierte Essenz zu gewinnen und Produktionsprozesse zu etablieren. Und ja, auch Geld zu verdienen. Aber eben nicht mit „Hokuspokuspräparaten“ sondern mit Medikamenten mit einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Wirksamkeit und Effizienz.

Daher mein Aufruf: Verzichtet auf die Verwendung der Begriffe „Schulmedizin“ und „Alternativmedizin“! Hört auf mit dem Irrglauben, dass Cannabis eine Alternative zur „regulären Pharmazie“ ist. Cannabis ist oft eine Alternative für andere wirksame Medikamente.

Cannabis ist ein Medikament wie viele andere. Oft sehr Wirksam und dabei relativ Nebenwirkungsarm. Daher sollte man es nicht in die selbe Kategorie stecken wie Homöopathie, Bachblüten und Co.

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