Atlantico Dortmund: Patientenfreundlich & Gemütlich

In Bonn haben vor gut 2 Wochen einige Patienten feststellen müssen, dass sie nicht überall willkommen sind, denn ein Restaurant in den Rheinauen hat von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht und diesen z.T. schwerkranken Menschen ein Hausverbot erteilt. Dies habe ich zum Anlass genommen, um heute eine weitere Location auf „Patientenfreundlichkeit“ zu testen und wurde positiv überrascht!

Heute war ich mit einem Kumpel unterwegs, der es eigentlich gar nicht gerne hat, mit Cannabis in der Öffentlichkeit in Verbindung gebracht zu werden. Er wollte auf keinen Fall in Hamm raus daher haben wir uns nach einigem Hin und Her fürs Atlantico in Dortmund entschieden! Ich mag den Biergarten dort, er ist von zwei Seiten mit Häusern umringt und die anderen beiden Seiten haben einen einfachen Sichtschutz zu den „Hinterhöfen“ dieser Häuser. Er ist zwar relativ klein aber die Tische stehen recht eng zusammen und so ziemlich jeder Platz war besetzt. Alles in Allem also ein recht auffälliger Platz um meine Medizin zu konsumieren!

Glücklicherweise hatten wir reserviert! Die Kellnerin begleitete uns zu einem kleinen Tisch mitten in diesem Biertgarten, der von einem riesiegen Sonnenschirm beschattet wurde und um eine Situation wie in Bonn zu vermeiden, wies ich sie direkt auf meine Ausnahmegenehmigung der Bundesopiumstelle hin und fragte ob es okay wäre, meine Medizin im Biergarten zu konsumieren. Ohne einen ernsthaften Blick auf die Bescheinigung zu werfen, ging sie los um ihren Chef zu fragen und schon nach einer Minute kam sie mit einem Aschenbecher (aber ohne einen Kommentar) zurück! Kurz danach kam eine weitere Mitarbeiterin des Atlantico auf mich zu, die mir mitteilte, dass sie erst ihren Chef anrufen müsse und ich gab ihr etwas verwirrt meine Ausnahmegenehmigung mit. Auf dem Weg zur Theke fing ihre Kollegin – die uns zum Tisch begleitet hat – sie ab und ließ sich meine Ausnahmegenehmigung geben, die sie dann auf direktem Weg mit den Worten „Entschuldigung, ich habe das schon mit unserem Chef abgeklärt, es ist ok!“ zu mir zurückbrachte!

Ich habe heute Abend im Atlantico zweimal meine Medizin konsumiert und durch die Lage des Biergartens stand der süßliche Duft förmlich über allen Tischen, ohne sich großartig schnell zu verflüchtigen. 🙂 Dabei habe ich viele neugierige Blicke auf meinen leicht verschämt aber sichtlich amüsiert dreinblickenden Kumpel und mich gezogen, aber KEIN Gast hat sich beschwert, weder bei uns, noch bei einer/einem der Kellner/innen!

RESPEKT und ein riesengroßes DANKESCHÖN an das ganze Atlantico-Team samt seiner Gäste, viele Ärzte in Deutschland können dieses kleine bisschen Toleranz in Verbindung mit Menschlichkeit und Empathie gegenüber kranken Menschen traurigerweise nicht aufbringen, obwohl dieser Personenkreis es mit Sicherheit nötiger hätte als Ihr und es dort sogar im Studium gelehrt wird! Naja, es gibt Dinge die kann man nicht lernen, für alles andere gibt es die Mastercard. 😉

P.S. Falls ich in nächster Zeit dazu komme, werde ich öfter mal Testberichte über patientenfreundliche und -unfreundliche Locations schreiben! Ich werde auch mal im Selbsthilfenetzwerk-Cannabis-Medizin (SCM) nachfragen, welche Erfahrungen andere Patienten in Deutschland gemacht haben und wenn sich ein paar Informationen zusammentragen lassen, würde ich Diese hier im Blog und/oder auf der Seite des SCM zusammenfassen und veröffentlichen…

5 Gedanken zu “Atlantico Dortmund: Patientenfreundlich & Gemütlich

  1. Trotz Genehmigungsurkunde und Erlaubnis des Wirts meiner Meinung nach ein „mutiges“ Experiment.
    Es wird sich aber vermutlich nicht vermeiden lassen, dass bei künftig ähnlichen Toleranztestungs-Versuchen der eine oder andere Prohibitionsbefürworter unter den übrigen Gästen offen oder vesteckt per Handy die Polizei informiert und es dadurch in der Folge zu Szenen kommen KANN, die nicht wünschenswert sind, sofern man als Patient lediglich einen entsprannten Abend verbringen möchte.

  2. Ich finde das auch nicht gut und der Sache nicht dienlich im Biergarten Cannabis zu rauchen!
    1. Gibt es in einem vollen Biergarten sicher auch Besucher die gerne einen Joint rauchen würden und dies eben nicht dürfen. Ich würde mir da echt nicht gut vorkommen hier den anderen einen vor zu rauchen und auch noch stolz darauf zu sein den ganzen Garten mit dem guten Duft zu beglücken,
    2. Wenn gerade aus med. Gründen konsumiert wird, kann man das genau so diskret tun wie wenn jemand sein Insulin spritzt oder seine Einlagen wechselt. Gerade wenn Cannabis als Medizin ernst genommen werden soll muß es doch nicht im Biergarten(womöglich noch mit Alkohol) als „Medizin“ konsumiert werden.
    Ich bin auch jemand der seit über 25 Jahren unter dieser Prohibition leidet und schon immer dafür war sein Gesicht in der Öffentlichkeit zu zeigen und zu seinem Konsum zu stehen, finde es aber gerade im Biergarten mit einer Ausnahmegenehmigung zu machen ist eher kontraproduktiv. In der Öffentlichkeit gilt, finde ich, alle o keiner, Ich werde, wenn ich meine Ausnahmegenehmigung habe, mich in der Öffentlichkeit nicht anders verhalten wie ich es jetzt mache und wenn es eben mal sein muß, gibt es auch diskrete Vaporizer wo nicht gleich die komplette Umgebung eingenebelt wird. Just my 2 cents

  3. Also, jetzt macht mal halblang hier. Ich bin selbst Inhaber einer Ausnahmegenehmigung des BfArM und zwar, weil ich Cannabis als Medikament BENÖTIGE, nicht weil ich mir z.B. einen netten Abend haben möchte. Er ermöglicht mir, ein halbwegs normales Gesellschaftsleben zu führen und ich merke, wann eine Dosis nötig ist. Das ist leider in unregelmäßigen Abständen, so dass ich meinen Konsum nicht „planen“ kann, d.h. wenn ich grad im Biergarten sitze und merke, dass sich meine Symptome zurückmelden, dann konsumiere ich (die Erlaubnis des Wirts vorausgesetzt – Stichwort Hausrecht) auch. Dabei ist es mir völlig egal, wer davon etwas mitbekommt. Ich rauche zwar nicht, sondern nutzte für unterwegs den PAX Vaporizer, aber das liegt nur an meinen persönlichen Vorlieben. Wenn Leute ein Problem damit haben, dürfen sie mich gerne darauf ansprechen, wenn die Polizei kommt, auch gut, dann wird das halt geklärt. Und das Argument, mann mache andere Menschen neidisch ist eher zu vernachlässigen; ich würde jedem anbieten mir mir zu tauschen (d.h. Krankheit mitsamt Genehmigung), wenn es denn ginge.

    Abgesehen davon finde ich es in keiner Weise kontraproduktiv generell in der Öffentlichkeit zu konsumieren, da ich Patient bin, und mich als Patient nicht in dunklen Ecken verstecken möchte. Die meisten Menschen wissen nicht, dass Cannabis überhaupt als Arzneimittel dienen kann und ich habe schon viele Fehlmeinungen durch Gespräche korrigieren können, die sich eben durch solch einen „offensiven“ Umgang mit der Thematik entwickelt haben. In diesen fiel mir aber auch auf, wieviel Aufklärungsarbeit noch getan werden muss, und wie bitte soll man Laien darüber informieren, wenn nicht durch die allgemeine Konfrontation im Alltag? Fernsehberichte? Zeitung? Haha, wer bezahlt und initiiert das? Internet? Wohl nur, wenn man gezielt danach sucht.. Ich halte den offenen Umgang des Blogautors auch abseits von Demonstrationen etc. für genau den richtigen Weg.

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