Mein Tag bei der Kundgebung „Menschenrechte von Cannabispatienten achten!“

Ich gehe davon aus und hoffe auch sehr, dass Ihr viele interessante Berichte zur gestrigen Kundgebung in Bonn lesen werdet, trotzdem und gerade deshalb möchte ich Euch den Tag aus meiner Sicht nicht vorenthalten.demo1

20. Juni 2013: Pünktlich um 8 Uhr ging es los, erst quer durch die Stadt, um Stefan Müller einzusammeln und dann weiter nach Werl und nach Arnsberg, bis der letzte Platz im Auto besetzt war. Ich hätte gut und gerne doppelt so viele Leute mitbringen können – Anfragen gab es genug – aber leider ließ sich kein zweites Fahrzeug, geschweige denn ein zweiter Fahrer finden. 😦 Gegen viertel nach Zehn waren wir dann (endlich) bei strahlendem Sonnenschein auf der Autobahn in Richtung Bonn, aber es dauerte nicht lange, bis sich der Himmel stark verdunkelte. Die ersten Regentropfen entwickelten sich zu einem riesigen Unwetter, es donnerte und blitze und als wir um viertel vor zwölf in Bonn angekommen waren, fielen zeitweise murmelgroße Hagelkörner vom Himmel! Es hat eine Stunde gedauert, bis der Regen nachließ und wir uns aus dem Auto wagten, obwohl der Weg vom Auto bis ins Trockene nur max. 10 m lang war.

Dr. Grotenhermen hatte mich gebeten, ihm am Hotel in einem Vorort von Bonn vor der Kundgebung zu helfen, daher war unsere erste Anlaufstelle nicht gleich der Robert Schumann Platz vor der Bundesopiumstelle. Am Hotel verlief alles ohne Komplikationen (dem Himmel sei dank :)) und so waren wir pünktlich ein paar Minuten vor Beginn der Kundgebung vor Ort. Leider hat das Unwetter wohl auch Teile des Bonner Hauptbahnhofs unter Wasser gesetzt bzw. den gesamten öffentlichen Nah- und Fernverkehr über weite Strecken lahmgelegt, was vielen Teilnehmern zum Verhängnis wurde und sie entweder erst sehr verspätet oder gar nicht anreisen konnten. Den Beileidsbekundungen nach zu urteilen, die ich bisher gelesen habe, gehe ich davon aus, dass die Veranstalter von ACM und SCM (mit großartiger Unterstützung des Cannabis Colonia e.V.) getrost die drei-bis vierfache Menge an Teilnehmern hätte erwarten dürfen, wenn das Wetter im Vorfeld der Demo mitgespielt hätte!

Nichts desto trotz war die Kundgebung ein wundervolles Ereignis bei dem das Wetter traumhaft war, aber zugleich macht es mich sehr nachdenklich, wenn ich das Leid anderer Patienten sehe. Mir geht es nicht gut und ich bin froh mit meiner Ausnahmegenehmigung Cannabis als Medizin nutzen zu können, aber im Vergleich zu vielen Patienten, die ich in Bonn kennenlernen demo3durfte, darf, will und werde ich mich nicht beklagen. Ganz im Gegenteil, ich bin dankbar und froh über mein Schicksal und fühle mich seit gestern bestärkt, alles in meiner Macht stehende (ist zwar nicht viel, aber immerhin etwas) dafür zu tun, dass viel mehr Menschen mit schweren Erkrankungen Cannabis als Medizin zugänglich gemacht wird. Obwohl gestern die Leiden der Cannabispatienten zum ersten Mal der Öffentlichkeit wirklich sichbar gemacht wurden, ist dies natürlich nur ein ganz kleiner Anteil von dem Leid, dass tatsächlich vorherrscht. Denn die Patienten, die Cannabis am nötigsten haben, konnten aus gesundheitlichen Gründen erst gar nicht an der Kundgebung teilnehmen oder aber sie wissen noch gar nicht, dass ihnen Cannabis als Therapiealternative zur Verfügung steht! Bisher habe ich „Stärke“ und „Leid“ immer als Gegensätze betrachtet, aber diese Kundgebung hat mich eines Besseren belehrt! In Bonn habe ich eine Gruppe von starken Menschen und beeindrucken Persönlichkeiten kennengelernt, die gemeinsam für eine wichtige und richtige Sache kämpfen, obwohl jeder Einzelne sein persönliches Schicksal zu tragen hat. Unter dem Motto „Sie ziehen uns aus bis auf das letzte Hemd“ haben alle Patienten deutlich gemacht, dass sich Stärke und Leid ergänzen, ja sogar, dass Schicksalsschläge Menschen erst stark machen und dies keine Gegensätze sein müssen!

Mein Highlight des Tages war allerdings im Anschluß an die Kundgebung, als wir uns mit gut 20 Leuten noch im „Rheingarten“ in den Rheinauen zum gemütlichen Beisammensitzendemo4 getroffen haben, obwohl ich das eigentliche Highlight des Highlight verpasst habe… Es gab wohl beschwerden bei diesem Gastronomiebetrieb, dass wir auf deren Terasse Cannabis konsumieren, daher ist kurz nachdem meine Beifahrer und ich den Rückweg angetreten haben, die Polizei dort eingetrudelt. Darauf folgte eine spontane Fortsetzung der Demo vom nachmittag, Festnahmen gab es keine. 🙂 Ich möchte hier niemandem einen Vorwurf machen, der Gastroberieb hatte nach mehrfachen Beschwerden warscheinlich keine andere Wahl und musste die Situation über die Polizei klären lassen und auch den Leuten die sich beschwert haben, kann ich das nicht verübeln, schließlich war das quasi der erste legale Flash-Smoke in Deutschland! 😉 Um 23 Uhr war ich nach einem langen, anstrengenden aber sehr schönen Tag wieder zuhause …

Hier gibts noch die Pressemitteilung der ACM zu der Kundgebung im Hanf Journal!

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2 Gedanken zu “Mein Tag bei der Kundgebung „Menschenrechte von Cannabispatienten achten!“

  1. Das Wetter, das Wetter… Da ich leider in Berlin beruflich war musste ich oft nachdenklich an das drohende Unwetter und die Demo denken. Ein sehr schöner Bericht. Der Part den du ausführst bzgl. Das es dir nicht gut geht, aber vielen Patienten noch viel schlechter ist sehr interessant. Ich habe lange genau darüber gegrübelt bevor ich mich zu einem Antrag entschieden habe. Es gibt so viele die viel schlimmer dran sind ist das fair einen Antrag zu stellen? Ich finde gerade wenn man dann sieht wie viele so tapfer und optimistisch trotz schwerster Erkrankungen ihr Schicksal ertragen setzt das sehr sehr viel positive Energie frei. Ich hoffe sehr das die angesprochenen Misstände auch ein wenig Eindruck bei den politischen Entscheidungsträgern hinterlassen haben und es zu einem umdenken kommt.

  2. Pingback: Atlantico Dortmund: Patientenfreundlich & Gemütlich | Ausnahmemedizin

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